Bindegewebsbehandlung

Unterschiedliche Störungen, z. B. Missempfindungen wie Kälte, Wärme, Kribbeln, Jucken, Brennen, Taubheitsgefühl,  Ameisenlaufen, Schwächegefühl, Pelzigkeit, u.v.m., haben ihre Ursache in verklebtem und verspanntem Bindegewebe bzw. den Faszien. Darunter liegende Muskeln werden hierdurch  in der Bewegung beeinträchtigt. Das verklebte Bindegewebe wird durch diese manuelle Technik gelöst bzw. gelockert und das Gewebe wird weicher. Die Lymphe kann besser fließen, der Muskel wird entlastet und somit besser durchblutet und ernährt. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Beweglichkeit aus.

Aktive Schmerzpunkttherapie bzw. Myogelosenbehandlung

Myogelosen bzw. Triggerpunkte, wie sie häufig im dauerkontrahierten Muskel zu finden sind, werden mit einem gezielten Druck auf die verhärteten Schmerzpunkte gelöst. Die zunächst bestehende Druck- und Schmerzempfindlichkeit mildert sich unter aktiver Mitbewegung des Muskels erstaunlich schnell ab. Der Patient erhält Anleitung zur Selbstbehandlung solcher Punkte, sofern diese durch den Patienten selbst erreichbar sind.     

Sensomotorische Übungen 

Der Patient erhält Anleitung zu speziell auf ihn abgestimmte sensomotorische Übungen. Diese Art der achtsamen Schulung des Körperbewusstseins vermittelt nach und nach ein neues Körpergefühl. Die Übungen, welche der Patient zu Hause weiterhin regelmäßig weiterführt, steigern die Beweglichkeit und wirken vorbeugend gegen erneute Verspannungen in Bindegewebe und Faszien und somit letztendlich in der Muskulatur. Diese Übungen wirken nachhaltig und tragen wesentlich zum Therapieerfolg bei.

Videos zur Übung

Körperbewusstseinstraining


Das Körperbewusstseinstraining ist der wichtigste Baustein der Sensomotorischen Körpertherapie und zieht sich als roter Faden durch die gesamte Behandlung. Es gilt zu ergründen, welche Ursachen in der Vergangenheit – hierzu zählen auch längst in Vergessenheit geratene Verletzungen - zu den bestehenden Symptomen geführt haben.
 
Wie sitze ich am Arbeitsplatz? Wie halte ich den Telefonhörer/das Smartphone – etwa zwischen Schulter und Nacken eingeklemmt? Stütze ich häufig den Kopf auf eine Hand auf? Wie stehe ich im Alltag? 
 
Therapeut und Patient besprechen gemeinsam die auffallenden Haltungsmuster, auch ahmt der Therapeut die Fehlhaltung nach und erklärt, welche Muskeln dabei angespannt sind und mit den Beschwerden des Patienten zusammenhängen.
 
Die Patienten lernen mit Hilfe von Wahrnehmungsübungen wieder zu spüren, welche Bewegungen ihnen gut tun oder welche Bewegungen die Spannungsmuster verursachen oder verstärken. Die neu gewonnene Beweglichkeit führt zu lockeren und leichten Bewegungen ohne Anstrengung. Der Unterschied zwischen An- und Entspannung wird wahrgenommen.
 
Das  Körperbewusstseinstraining führt zu einer Veränderung der Fehlhaltung im Alltag und wirkt somit nachhaltig.

Pandiculations nach Thomas Hanna

Durch gezieltes und vom Therapeuten geführtes An- und Entspannen der betroffenen Muskulatur lernt der Körper wieder, den Muskeltonus gezielt anzusteuern. Mit dieser Technik wird das Zusammenspiel zwischen dem sensomotorischen Cortex im Gehirn und dem betroffenen Muskel wieder hergestellt, d. h. es findet eine Kommunikation über den Spür- und Bewegungssinn statt.
 

Was ist eigentlich Sensomotorik?

 Die Sensomotorik beschreibt das Zusammenspiel zwischen Reizaufnahme (Sensorik) und Reizantwort in Form von Bewegung (Motorik). Die Strukturen des motorischen Teils (Gehirn, Rückenmark, Nerven, Muskeln, Faszien) dienen der Steuerung von Bewegungen. Die Steuerung kann unwillkürlich in Form von Reflexen oder willkürlich ablaufen. Der sensorische Anteil dient der Wahrnehmung und des Körperbewusstseins.
 
Überall in unserem Körper (Organen, Muskeln, Bindegewebe) befinden sich Rezeptoren, die auf Reize, wie Berührung, Druck, Dehnung, Temperatur, Schmerz usw. reagieren und messen z. B. die Position bestimmter Gliedmaßen und den Spannungszustand der Muskulatur. 

Diese Reize werden gemeinsam mit weiteren Informationen der Sinnesorgane wie dem Sehen, Hören oder dem Gleichgewichtssinn durch Nerven in das zentrale Nervensystem (Gehirn) geleitet und zur Verarbeitung in die entsprechenden Areale delegiert und zu einem stimmigen Gesamtbild verarbeitet. Die Folge ist eine Reizantwort, in der z. B. die Muskelspannung verändert wird.
 
Gesunde Menschen können spüren/wahrnehmen, ob ein Muskel locker und angespannt ist, auch kann der Spannungszustand bewusst aus der Spannung in die Entspannung reguliert werden. Die im Wechsel regelmäßige An- und Entspannung ist eine wichtige Grundlage für optimal funktionierende Muskeln.
 
Liegt eine Störung im sensomotorischen System vor – wie z. B. eine sensomotorische Amnesie – sind diese Funktionen beeinträchtigt.

Die Sensomotorische Amnesie

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Thomas Hanna ((1928 – 1990) - Direktor des Instituts für Humanistische Psychologie in San Francisco) bezeichnet den Verlust von Wahrnehmung und willentlicher Steuerung über Teile unseres Körpers – aufgrund einer Störung im Regelkreis des sensorischen und motorischen Teils des Nervensystems – als sensomotorische Amnesie.

Dies hat eine Funktionseinschränkung in Form von verkürzten und chronisch verspannten Muskeln, der umgebenden Areale sowie des Bindegewebes (Faszien) zu Folge.

Was kann alles weh tun?

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Entgegen der vorherrschenden Meinung sind es nicht die Knochen oder ein eingeklemmter Nerv, welche Schmerzen bereiten, sondern häufig Muskeln und Faszien, welche aktiv die Knochen bewegen.
In chronisch verspannten Muskeln entstehen mit der Zeit Myogelosen bzw. myofasziale Triggerpunkte und verursachen oft brennende, kribbelnde, juckende Missempfindungen bzw. Schmerzen, welche weit ausstrahlen können.
 
So kann z. B. ein verspannter Trapezmuskel mit den entsprechenden Triggerpunkten Schmerzen im Nacken und an der Schädelbasis auslösen und ist darüber hinaus mitverursachend von Schläfen-kopfschmerzen. Ebenso werden Schmerzen in den Kaumuskeln sowie an der Seite des Halses hinauf bis hinter das Ohr, sowie tief hinter das Auge übertragen.
 
Auch können verkürzte und verspannte Faszien starke Schmerzen und Missempfindungen verursachen, z. B. Kälte- oder Hitzegefühl, Beklemmung und Unruhe mit Herzklopfen.

Kurzbeschreibung Faszien

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In jüngster Zeit wurde durch Forschungsergebnisse belegt, dass Faszien stark mit Nerven innerviert sind, vergleichbar mit einem Wurzelgeflecht eines Baumes.  Gemeinsam mit der Haut wird dieses körperweite Fasziennetzwerk als das sechste Sinnesorgan betrachtet.  Aufgrund der weitreichenden Verzweigungen im Körper, spielen Faszien eine entscheidende Rolle für das Nervensystem – sowohl für das somatische als auch das autonome –. Faszien besitzen die Fähigkeit, Bewegungsenergie zu speichern und somit die Muskeln darin zu beeinflussen, wie diese ihre Kraft auf den Bewegungsapparat ausüben, des Weiteren können sie sich unabhängig von den Muskeln verspannen und wieder lösen, verdicken, verkürzen, werden unelastisch und erinnern an ein festes Stück Filz.

Erlernt bzw. angeeignet – die Sensomotorische Amnesie

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Wenn dieselbe Körperreaktion immer wieder eintritt, wird ihr Muster allmählich auf einer unbewussten Ebene „gelernt“. Häufig wiederkehrende Bewegungs- oder Anspannungsmuster werden „eingefleischt“ und nach einiger Zeit als „normal“ abgespeichert. Die Gewöhnung ist ein langsamer unerbittlicher Anpassungsvorgang, der sich in die Funktionsmuster des Zentralnervensystems einprägt. Sind bestimmte Muskeln immer gleich angespannt, spüren wir dies nicht mehr. Dieser ständige Spannungszustand im Muskel bzw. Muskelgruppen entzieht sich unserer Wahrnehmung und unserer willentlichen Steuerung, da das wechselnde Feedback aus der Bewegung – als An- und Entspannung – fehlt. Dieses „nicht spüren können“ bezeichnet Hanna als die Sensomotorische Amnesie.
Erst bei auftretenden Schmerzen durch chronisch verspannte Muskeln und unelastische verklebte Faszien werden wir auf die Funktions- und Bewegungseinschränkungen aufmerksam.

Ursachen und Auslöser der Sensomotorischen Amnesie

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Vielfältige Ursachen führen zur Ausbildung der sensomotorischen Amnesie. Nur einige davon möchte ich hier aufzählen:

  • Beine hinter die Stuhlbeine klemmen
  • Ein zu niedrig oder zu hoch eingestellter Monitor am Arbeitsplatz
  • Beine beim Sitzen übereinanderschlagen oder auf dem untergeschlagenen Bein sitzen
  • Handtasche nur auf einer Schulter tragen
  • Den Telefonhörer/das Smartphone zwischen Schulter und Kopf eingeklemmt halten, um die Hände für Verrichtungen frei zu haben …
  • Unfälle und Operationen, selbst wenn sie lange zurück liegen und schon fast nicht mehr erinnerlich sind
  • Chronischer Stress, Schreckreaktionen, Sorgen, ungünstige Gedanken und 
    Einstellungen – z. B. soziale Ängste, Perfektionismus

 
Ziel der SMKT ist es, durch fürsorgliches und bedachtes Wahrnehmen und Wiedererlernen von funktionalen Bewegungsabläufen die Sensomotorische Amnesie wieder zu verlernen, d. h. die dauerhaft angespannte Muskelkontraktion, welche bislang nicht bewusst gespürt wird und sich der Wahrnehmung entzogen hat, wieder zu entspannen, kontrolliert wahrzunehmen und auszuführen.